Meine späten Motorradjahre

Der Biker

2010 war es, bei meiner zweiten Eifelsteigwanderung, siehe Buch "Natur erwandern, Eifelsteig ...".

Nach dem vierten heißen Wandertag und einem schönen Nachmittag und Abend bei einem Motorradclub in Gerolstein hatte ich den Entschluss gefasst, in meinem damaligen Alter von 72 Jahren nochmal ein Motorrad zu kaufen. Das habe ich auch umgesetzt und hatte 2 Monate später im Internet ein bezahlbares, für meine Ansprüche passendes Motorrad gefunden. Eine Yahama Drag Star Classic, 650 ccm, 40 PS. Mit Kardanantrieb, Trittbrettern, Wippenschaltung, Windschild, Sissybar  und Satteltaschen. Ein sogenannter Cruiser, ein Halb-chopper. Das habe ich optisch nach meinem Geschmack noch ein bisschen aufgemotzt, mit Zusatz-Doppelscheinwerfen, einem Gepäckträger mit Box usw.

Nach einer Fahrstunde mit Fahrlehrer zur Wiedereingewöhnung und einigen kleinen Proberunden war ich fit. Bin damit auf meine Auftrags-Baustellen gefahren und habe viele Eifeltouren unternommen.

Nach einem zusätzlichen Sicherheitstraining beim ADAC in Weilerswist habe ich mich dann Ende September zu einer Urlaubsfahrt in die Alpen aufgemacht. Mit Zelt, umfangreicher Campingausrüstung, Laptop und Sat-Schüssel.

Den Soziussitz hatte ich ab- und eine Plattform angebaut für mein umfangreiches Gepäck, ca. 80 kg, wie ein Beifahrer.

Oben das Foto nach der ersten Zwischenübernachtung bei meinem Sohn Andreas in Waldsee und der Weiterfahrt am nächsten Morgen.

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Für die Weiterfahrt von etwas über 400 km hatte ich die Autobahn A8 vorbei an Stuttgart, weiter auf der A81 zum Bodensee, von dort über einen Teil der Deutschen Alpenstraße und weiter über Sondhofen, das Oberjoch, durch das Tannheimer Tal ins Lechtal nach Häselgehr geplant und ausgeführt. Alleine diese Fahrt war schon ein Erlebnis, vor allem ab dem Bodensee mit der Allgäuer Landschaft, den Voralpenregionen und den Bergen im Tannheimer Tal und dann im Lechtal.

Um etwa 17:00 Uhr bin ich in Häselgehr auf dem Campingplatz angekommen, den ich schon von früheren Fahrten mit dem PKW kannte. Ein wunderschöner Platz neben dem Lech, ringsum mit den Gipfeln der Lechtaler. Hier einige Fotos von der Pause am Bodensee und dem Campingplatz.

Foto 1: Am Bodensee, Foto 2: Der Lech am Campingplatz, Foto3: Mein Zelt,

Foto 4: Zelt Innenleben Mittelbereich (Wohnzimmer).

Von hier aus habe ich einige Bergtouren und kleinere Motorradtouren unternommen. Aber für den Samstag, den 02.10., hatte ich dann, auch auf Basis der guten Wetterprognosen, eine größere Motorradtour geplant, eine Dreipässefahrt über das Hahntennjoch ins Inntal, dort auf den Arlbergpass und von dort durch die Orte Zürs und Lech über den Flexenpass, bei Warth zurück in das Lechtal. Dieses abwärts bis Häselgehr. Gesamt in etwa 140 km. Nicht sehr lang, aber in dieser Lanschaft und den Pässen doch ausreichens.

Und, was soll ich sagen, ein Supererlebnis. Der erste Pass, das Hahntennjoch, schon ein Gedicht, sowohl straßenmäßig mit vielen weiten und auch sehr engen Kurven, aber auch mit wunderbaren Landschaftseindrücken. Dann das Inntal, etwas weniger spektakulär, auch mit der wenig eindrucksvollen Passhöhe am Arlbergpass. Aber dann wieder der lanschaftlich eindrucksvolle Flexenpass. Dann die Abfahrt ins Lechtal, mit einer Herbst-Farbenpracht in allen Braun-, Gelb- und Grünfarben.

Nachfolgend dazu einige Fotos.

Karte aus: https://maps.adac.de/

Gegen 15:30 Uhr war ich wieder am Campinplatz. Ich hatte eine wunderbare Runde mit vielen Eindrücken erfahren. Neue Eindrücke zu meinen bisherigen Berg-Zufuß-Touren, Berge auf einem Motorrad erleben. Nicht das Gipfelerlebnis war das Ziel und Erlebnis, sondern die Freiheit und dem Fahrtwind zwischen den Bergen und den Kurven/Serpentinen inmitten dieser imposanten Natur.

Für Mittwoch, den 06.10.2010, hatte ich den Aufstieg zur Lichtspitze, Höhe 2357 m, geplant und auch ausgeführt. Eine Tour, die ich 2009 wegen Zeit- und Konditionsmangel bei ca. 2000 m abgebrochen hatte. Also wollte ich den Sack, den ich da hängen gelassen hatte, wie man unter Bergsteigern sagt, wieder abholen und die Besteigung komplett durchführen. Um mir das ganze zu erleichtern, bin ich mit dem Motorrad ein Stück die Straße nach Grameis hochgefahren bis zu einem kleinen Parkplatz auf etwa 1200 m Höhe. Dort habe ich das Motorrad abgestellt und bin gegen 7:30 Uhr losgezogen, mit Rucksack und dem üblichen Tagesgepäck.

Gegen 12:00 Uhr war ich auf dem Gipfel, bei strahlendem Wetter und blauem Himmel und einer wunderschönen Aussicht ringsum. Gegen  16:00 Uhr war ich wieder bei meinem Motorrad.

Auch eine wunderschöne Tour, diesmal in alter Art zu Fuß, mit kleiner Motorrad-Unterstützung.

Am nächsten Tag, den 07.10.2010 bin ich dann nach Hause gefahren, die ca. 650 km in einem Rutsch, nur unterbrochen durch zwei Tankpausen. Am frühen Abend war ich heile und gesund wieder zu Hause. Froh und auch stolz über diese schöne Fahrt und die Erlebnisse, in meinem Alter von knapp 72 Jahren. Im November habe ich Geburtstag. Allerdings war ich auch froh über das Motorrad, das ohne Probleme die Fahrt überstanden hat und ich relativ bequem fahren konnte.

2011 habe ich dann nochmal eine Fahrt in die Alpen unternommen, diesmal ins Tannheimer Tal auf den Campinplatz Alpenpanorama Kienzerle. Einem schön gelegenen Platz etwas über dem Tannheimer Tal mit wunderschöner Aussicht auf das Tal und Tannheim. Von dort habe ich unter anderem dann wieder eine Passfahrt durchgeführt. Über den Riedbergpass und den Hochtannbergpass, bei Warth wieder in das Lechtal und Tannheimer Tal zurück. Auch wieder ein wunderschönes Erlebnis.

Über die Fahrt 2010 in die Alpen und meine Tour zur Lichtspitze habe ich in meinem Buch "Wandern, Klettern, Bergsteigen ......" erzählt und berichtet.

Über meine späten Motorradjahre.

Anfang 2015 habe ich dann das Motorrad verkauft. Über vier Jahre habe ich damit erlebt. Eine schöne Ergänzung zu meinen vielen anderen Lebenserinnerungen.